AnGedacht Abend

Thema: Grüne Gentechnik
"Wohin führen die neuen Methoden in der Pflanzenzüchtung?"

Seit dem Sesshaftwerden der Menschen vor etwa 10.000 Jahren wurden nützliche Pflanzenarten - und innerhalb dieser - bestimmten Typen ausgelesen. Die Körner müssen sich z.B. noch erntbar an der Pflanze befinden und dürfen nicht auf dem Boden liegen. Die Früchte sollen groß, leicht verarbeitbar, nicht nur genießbar und auch schmackhaft sein. Der Aufwand für den Ackerbauern / Gärtner soll dabei möglichst gering sein.

So entwickelten sich im Laufe der Jahrtausende die Kulturpflanzenarten und darin regionale Landsorten. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die systematische Pflanzenzüchtung. Fortschrittliche Landwirte zerlegten die Landsorten in einzelne besonders produktive Linien und bauten nur noch diese nach. Der Handel mit Saatgut dieser „Auslesen“ und die Wiederentdeckung der Mendelschen Regeln im Jahr 1900 markieren den Beginn der wissenschaftlichen Pflanzenzüchtung. Genetik, Statistik, Analysemethoden entwickelten sich, gleichzeitig mit ihnen auch die Ackerbaumethoden. Bodenbearbeitung, Düngung und Pflanzenschutz zusammen mit hochwertigem Saatgut angepasster Sorten, führten zur Verfünffachung der Erträge innerhalb eines Jahrhunderts.

Seit etwa 40 Jahren werden in der Züchtung auch zell- und molekularbiologische Methoden eingesetzt. So kann die Entwicklung einer Sorte von zum Beispiel 12 Jahren auf 6 reduziert werden und der Züchtungsfortschritt beschleunigt sich entsprechend.

Neue Merkmale, wie bestimmte Resistenzen / Toleranzen gegen Krankheiten, Schädlinge oder Umwelteffekte (Kälte, Trockenheit), auch neue Qualitäten des Erntegutes in neue Sorten einzubringen, hat oftmals mehrere Jahrzehnte gedauert. Dies lässt sich heute viel leichter und schneller mit der Nutzung von molekularen Markern zur Diagnostik bewerkstelligen. Gentechnik im Sinne von Gentransfer ist hierzu zunächst nicht nötig. Sie könnte aber die Züchtungsarbeiten weiter präzisieren und beschleunigen und so die Nutzung wertvoller Eigenschaften im Anbau weiter erleichtern.

Unser Referent, Dr. Klaus Oldach von der KWS LOCHOW GmbH in Bergen wird hierzu Beispiele aus der Vergangenheit bringen und aufzeigen, was die Züchter aktuell „in der Pipeline haben“. Klaus Oldach war nach dem Studium der Biologie in Freiburg i.Br. für 14 Jahre in Australien und hat sich dort mit (molekular-gestützter) Getreidezüchtung beschäftigt. Seit 2014 ist er wieder in Deutschland und Leiter der Zellbiologischen Labore der KWS LOCHOW in Frankreich, England und Bergen. Darüber hinaus leitet er das „Prebreeding“ für Gerste, Futterebsen und Hafer an der Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und Sortenentwicklung.

Nach ihrem Vortrag wird Laura Kawerau, Agrarwissenschaftlerin und Referentin für Kirche und Landwirtschaft im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers, mit einem Impuls ihre bzw. die Position der Landeskirche zum Thema darstellen. Frau Kawerau hat an den Universitäten Kassel (Standort Witzenhausen) und Hohenheim studiert. Aufgewachsen in einem Pastorenhaushalt in Hessen ist das Aufgabenfeld zwischen Kirche, Gesellschaft und Landwirtschaft seit zwei Jahren ihre erste Stelle nach dem Studium.

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