Entscheidungen in Zeiten von Corona

Pressemitteilung 19. April 2020

ausführlicher Bericht des KV

Es ist wohl für uns alle das erste Mal, dass eine Virusinfektion solch umfangreiche Veränderungen für das öffentliche und private Leben mit sich bringt. Und noch eine halbe Woche bevor ich jetzt diesen Artikel wiederholt überarbeite, hätte ich Ihnen vieles noch ganz anderes berichtet. Aus dieser Erfahrung lernend verzichte ich auf Details von Beschlüssen und Handlungsanweisungen. Berichten kann ich Ihnen, dass unser Kirchenvorstand sich ausführlich mit der Lage und den von kirchlicher und staatlicher Seite erfolgten Stellungnahmen beschäftigt hat. In enger Anlehnung an die Empfehlungen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers wurde dann am 13. März beschlossen, Gottesdienste, Konzerte und Veranstaltungen bis zum 19. April grundsätzlich abzusagen. Ausnahmen davon sollten im Vorfeld durch eine individuelle Risikoanalyse bewertet und danach bekannt gegeben werden. Diese Ausnahmen sind bereits durch eine Verschärfung der Vorsichtsmaßnahmen hinfällig.

Auch wenn erfreulicherweise immer mehr Menschen die Notwendigkeit der Maßnahmen befürworten oder zumindest akzeptieren, gibt es auch die Frage, ob solch weitgehende Entscheidungen wie die Absage aller Ostergottesdienste erforderlich sind. Ich vermute, dass Sie genauso wenig wie wir in dieser Situation mit Bestimmtheit sagen könnten, was genau das Richtige ist. Vielleicht ist es mit einer Kurve bei angekündigter Eisglätte zu vergleichen. Da kann es auch sinnvoll sein, vorsichtshalber etwas langsamer mit dem Auto hineinzufahren.

Wir handeln nicht aus Angst, sondern aus Fürsorge gegenüber den Menschen in unserer Kirchengemeinde und in unserem Land. Es wäre verantwortungslos, in einer solchen Situation nicht auf die medizinisch begründeten Empfehlungen von Wissenschaftler*innen und Verantwortungsträger*innen zu hören. Wenn wir durch unsere Entscheidung und eine dadurch hoffentlich verlangsamte Ausbreitung des Corona-Virus und anderer Grippeerkrankungen dazu beitragen können, dass für Notfallpatienten weiterhin ausreichend Intensivbetten und genug medizinisches Personal zur Verfügung steht, haben wir vieles richtig gemacht.

Zum eigenen Umgang mit der derzeitigen Situation gibt ein Vers aus dem Neuen Testament gute Hinweise. Dort schreibt Paulus in einem Brief an Timotheus: Diese Kraft, die Gott uns gegeben hat, lässt uns nicht ängstlich sein. Ganz im Gegenteil: Sein Geist bewirkt, dass wir mutig sein können. Er gibt uns Kraft zu lieben und hilft uns, die Dinge besonnen in Angriff zu nehmen. (Übertragung nach 2. Tim. 1,7) Hieraus folgt die Einladung, den derzeitigen Herausforderungen ohne Angst - und auch ohne Angstmacherei - zu begegnen und mutig und besonnen die Dinge in Angriff zu nehmen. Und wenn ich ein weiteres Bibelwort hinzuziehen darf, steht dort, dass wir das Salz dieser Erde sind (Matth. 5,13). Das Salz, dass man - in kleinster Menge verwendet - im gesamten Essen schmeckt. Das Salz, dass sich nicht nur in Körnern in einer Verpackung trifft, sondern dass sich auflöst und alles durchdringt. Lassen Sie uns gemeinsam Salz für unsere Gesellschaft sein, indem wir Panikmache und Schlagzeilen widersprechen, indem wir dankbar bleiben für alles Gute in unserem Leben, indem wir bei Einkäufen nicht nur uns im Blick haben, indem wir für kranke und besorgte Menschen beten, indem wir füreinander da sind, indem wir die Arbeit unserer Politiker und Entscheidungsträger wertschätzen, ….

Evangelische und katholische Kirchen rufen dazu auf, im Hinblick auf das geistliche Leben ideenreich und kreativ mit der Situation umzugehen. Wie die Familie, die einfach zuhause Gottesdienst gefeiert hat. Mit Liedern und Tanz im Wohnzimmer. Und wo der sechsjährige Samuel im Anschluss sagte: „Und jetzt gibt es Kaffeeklatsch. Wie in der Kirche.“ Unsere Landeskirche lädt auf ihrer Homepage www.evlka.de zum Austausch von Anregungen und Ideen ein, wie wir in den kommenden Wochen (und vielleicht auch darüber hinaus) unseren Glauben und unser Christsein leben können.

Unsere Glocken werden weiterhin zur üblichen Zeit läuten. Als freundlicher Gruß von Ihrer Kirchengemeinde und als Anregung, zuhause einen Moment oder auch etwas länger Gottesdienst zu feiern. Und wenn Sie mögen, natürlich mit anschließendem „Kaffeeklatsch“.

Beerdigungen lassen sich nicht verschieben und werden weiterhin durchgeführt. Allerdings nach neustem Stand nur mit einer sehr begrenzten Anzahl von Personen. Die Erfahrung der letzten Tage zeigt, dass ich auch hier keine konkreten Regelungen aufführe, sondern wir in der jeweiligen Situation Abstimmungen mit den Angehörigen treffen, bzw. Sie jeweils aktuell beim Bestatter oder im Pfarramt anfragen können, wie die Abläufe sind. Für längere Zeit fest steht, dass alles im Freien stattfinden wird. Kleiden Sie sich daher warm genug, nicht dass Sie letztlich aus ganz anderem Grund krank werden.

Fest steht, dass die Konfirmationen verschoben werden. Ein neuer Termin wird in Abstimmung mit den Konfirmand*innen und deren Eltern festgelegt und dann bekannt gegeben werden.

Wie sonst auch ist jede und jeder von uns aufgefordert, die Mitmenschen um ihn oder sie herum im Blick zu behalten und sich um sie zu kümmern. Vielleicht können Sie Älteren oder anderen Menschen aus besonderen Risikogruppen den Einkauf mitbringen. Vielleicht telefonieren, mailen oder whatsappen sie mal mit Personen, denen andere soziale Kontakte gerade etwas abhanden gekommen sind. Vielleicht denken Sie in ihren Gebeten jetzt besonders an Erkrankte und an die, die in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen Dienst tun.

Wenn Sie benötigte Hilfe in Ihrem direkten Umfeld nicht finden sollten, nehmen Sie gerne - sofern möglich per Mail und sonst per Telefon - Kontakt zu Pastor Noetzel oder zum Kirchenvorstand unter den bekannten Adressen auf. Vielleicht können wir etwas vermitteln und Netzwerke herstellen.

Es lässt sich derzeit schlecht abschätzen, ob und wann ergänzende Informationen im Hinblick auf unser kirchengemeindliches Leben sinnvoll oder notwendig sind. Wir werden Sie weiter informieren auf unserer Homepage unter www.kirche-hermannsburg.de oder im Schaukasten vor der Kirche.

Ich grüße Sie am heutigen 16. März im Namen des Kirchenvorstands und im Namen von Pastor Ulrich Noetzel ganz herzlich. Bleiben oder werden Sie fröhlich und gesund!

Stephan Haase
Vorsitzender des Kirchenvorstands

 

Hier noch ein kleines „Fundstück aus den sozialen Medien“: