Herzlich Willkommen in unserer Kirche!

Für etwa 4.200 Gemeindeglieder und viele Gäste, die in Hermannsburg an Seminaren und Freizeiten teilnehmen oder einfach nur zu einem Besuch oder Urlaub hier sind, ist diese Kirche ein Ort des Gebetes und der gottesdienstlichen Feier. Hier kommen Menschen aus der Nähe und der Ferne zusammen, um Gott zu loben und aus seinem Wort Zurüstung für den Tag oder die Woche zu empfangen.

Wie mehr als 70 Kirchen in der Heide, die dieses Symbol tragen, ist auch die St. Peter und Paul Kirche am Tage geöffnet. In den Sommermonaten in der Regel von ca. 10.00 bis ca. 17.00 Uhr im Winter bis Sonnenuntergang.

Kirchenführungen können auf Anfrage gebucht werden. Dazu melden sie sich bitte im Kirchenbüro.

Die St. Peter-Paul Kirche ist bereits seit Jahren eine "verlässlich geöffnete Kirche". Nun hält sie auch speziell für Radtouristen Angebote vor. Am Dienstag, den 22. Juli 2014, wurde im Rahmen einer kleinen Andachtsfeier, der St. Peter-Paul Kirche offiziell das Signet "Radwegekirche" überreicht. 

Die ev.-luth. St. Peter-Paul Kirche Hermannsburg

Innenraum

Die heutige Kirche ist stilistisch ihrer gotischen Vorgängerkirche nachempfunden. Bis 1956 hatte diese der Gemeinde als Gotteshaus gedient. Wegen massiver Bauschäden musste sie dann saniert werden und sollte in diesem Zusammenhang, weil die Gemeinde gewachsen war, erweitert und neu gestaltet werden. Während der Bauphase, in der das Kirchenschiff verlängert und durch Seitenschiffe ergänzt wurde, stürzten leider die alten Gewölbe ein und mussten neu aufgemauert werden. Darum sind von der alten Kirche nur noch der Dachstuhl und Teile der Apsis erhalten. Weiße Linien auf dem Fußboden der heutigen Kirche erinnern an die Grundrisse früherer Kirchbauten.

Vom Beginn des 17. Jahrhunderts stammen die Leuchter auf dem Altar (außerhalb der Gottesdienstzeiten leider nicht zu sehen).

Das Altarkruzifix ist neueren Datums (1961). Bei dieser Arbeit auf vergoldetem Kupfer und Emaille wurde das alte Kruzifix aus dem 10. Jahrhundert - übertragen in die moderne Zeit- nachempfunden. Christus ist als der Gekreuzigte und zugleich Erhöhte, als der Leidende und doch die Welt Segnende dargestellt.

Die Kanzel zeigt die Symbole der vier Evangelisten und je ein Wort aus dem entsprechenden Evangelium. Auf dem fünften Feld ist ein Pelikan dargestellt, der mit seinem eigenen Blut seine Jungen nährt. Diese Darstellung geht auf eine frühchristliche Sage zurück. Der Pelikan war schon in der alten Kirche ein Symbol für Christus, der sein Blut für uns gegeben und vergossen hat, wie es uns im Abendmahl zugesprochen wird.

Das Taufbecken stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es ist aus Holz und hat eine farbige Fassung mit sparsamer Vergoldung. Im oberen Rand findet sich in Großbuchstaben die Umschrift LASSET DIE KINDLEIN ZU MIR KOMMEN UND WEHRET IHNEN NICHT.  Der Deckel wird bekrönt von einer Taube, dem Symbol des Heiligen Geistes, der in der Taufe verheißen wird.

Über der Tür zur Seitenkapelle (rechts im Altarraum) hängt ein Modell des Missionsschiffes  "Candace“. Missionsfreunde, besonders auch aus Hamburg,  hatten in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit ihren Spenden den Bau dieses Schiffes möglich gemacht. Durch Pastor Ludwig Harms wurde in Hermannsburg und Umgebung der Gedanke der weltweiten Mission erweckt und gefördert. Seitdem werden in Hermannsburg auf einem eigens dafür gegründeten Missionsseminar Männer und inzwischen auch Frauen für diesen Dienst ausgebildet. Mit der „Candace“, benannt nach der in Apg. 8,27 erwähnten äthiopischen Königin, reisten 1853 die ersten in Hermannsburg ausgebildeten Missionare mit Ziel Äthiopien aus. Sie mussten jedoch aus politischen Gründen ihre Arbeit zunächst in Südafrika beginnen. Heute erinnert uns die „Candace“ daran, dass wir als Gemeinde nach wie vor den Auftrag des weltweiten Zeugnisses von Jesus Christus haben.

In der Seitenkapelle befindet sich ein farbiger Kronleuchter aus Holz, dessen Arme als Engel gestaltet sind. Er stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert und ist vermutlich die Arbeit eines Laien aus Hermannsburg oder der näheren Umgebung.

Ein Rundbild des Hermannsburger Künstlers Werner Asendorf (+ 2004) zeigt die „arma Christi“, die Marterwerkzeuge, die an das Leiden und den Tod Jesu am Kreuz erinnern und die Gemeinde zum Dank für sein Erlösungswerk aufrufen. Im Einzelnen sind zu erkennen: die Dornenkrone, die vierfache Geißel, Hammer, Zange und Nägel, eine Lanze, das Gewand Jesu und am unteren Bildrand drei Kreuze.

Im Übrigen ist der Schmuck der Kirche auf die Leuchter im Kirchenschiff beschränkt. Sie sind alten Blakern (plattdeutsch: blaken = rußen) nachgestaltet und mit christlichen Symbolen versehen.

Die Blaker des Altarraumes sind durchgehend mit Engeln verziert. Hier ist der Ort, wo sich in der Feier des Abendmahls Himmel und Erde gewissermaßen berühren und die feiernde Gemeinde in das Lob der Himmlischen einstimmt.

Die Orgel stammt aus dem Jahr 1962. Sie wurde seinerzeit von der Firma Hammer in Hannover gebaut, in späteren Jahren jedoch überarbeitet und zum Teil neu intoniert. Sie hat 33 klingende Register, die sich auf Haupt- und Brustwerk, Pedal und Rückpositiv verteilen.

Die Kirche von außen

Schon die gotische Vorgängerkirche (ein Modell steht im Vorraum) hatte als Turm nur einen Dachreiter.

Die Glocken waren in einem Anbau in Verlängerung des Kirchenschiffes untergebracht. Mit Rücksicht auf die alte Tradition wurde auch bei der Neugestaltung der Turm als Dachreiter ausgeführt, nun allerdings größer als vorher, weil er das auf sechs Glocken erweiterte Geläut zu beherbergen hat. Die kleinste Glocke ist zugleich die älteste und stammt aus dem Jahr 1495. Die größte wurde 1682 aus einer alten Glocke umgegossen und ist nach dem damaligen Pastor „Breyhanglocke“ benannt. Vier weitere wurden nach dem zweiten Weltkrieg neu angeschafft. Zum sonntäglichen Gottesdienst wird die Gemeinde seither mit einem vollen, klangschönen Geläut gerufen.

Das Hauptportal der Kirche zeigt neben Engeln die zwölf Apostel, wobei Judas durch Paulus ersetzt worden ist. So stehen in der Mitte die Patrone unserer  Kirche: Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit dem Schwert. Wie viele Kirchen, die gegen Ende des ersten christlichen Jahrtausends als Missionskirchen gegründet sind, ist auch die hiesige diesen beiden ersten bedeutenden Missionaren gewidmet worden. Die Griffe der Türen sind in Fischform gestaltet.

Die Wetterfahne auf der Spitze des Kirchturms ist als Schiff gestaltet: Auch hier noch einmal eine Erinnerung an die „Candace“. Eine weitere auf dem Dachfirst über dem Altarraum zeigt Petrus und Paulus mit ihren typischen Attributen Schlüssel und Schwert.

Auffällig ist die Außenansicht der Kirche mit ihren insgesamt zwölf markanten seitlichen Giebeln. In Anlehnung an seitliche Anbauten der Vorgängerkirche sind sie seinerzeit als gestalterisches Stilmittel eingesetzt worden und geben dem Bauwerk sein charakteristisches Gepräge.

Frühzeit und Mittelalter

Um das Jahr 850 errichteten Missionare, die der Bischof von Minden ausgesandt hatte, im Oertzetal eine Taufkapelle, die sie nach den ersten Missionaren und Uraposteln Petrus und Paulus benannten. Die Kapelle befand sich schon an der Stelle, an der heute die St Peter-Paul Kirche steht.

Bei der Neugestaltung der Kirche in den Jahren 1956-1959 fand man ihre alten Grundmauern. Dabei entdeckte man auch ein altes Bronze-Kruzifix (Darstellung des gekreuzigten Christus) von 12 cm Größe, eine Arbeit im romanischen Stil, aus dem zehnten Jahrhundert. Eine originalgetreue Kopie dieses wertvollen Kruzifixes ist in der Gebetsecke im linken hinteren Teil des Kirchenschiffes ausgestellt.

Einen Ort Hermannsburg gab es zu dieser Zeit noch nicht, nur einzelne Höfe und wahrscheinlich einige der umliegenden Dörfer, die zum heutigen Kirchspiel gehören.

Hermannsburg, das 1059 erstmals urkundlich erwähnt ist, bekam seinen Namen durch den Grafen Hermann Billung (+973), einem Verwandten des ersten Deutschen Kaisers, Ottos des Großen. Billung ließ die Gegend um die Kirche besiedeln und errichtete eine Schutzburg, über deren Standort es heute allerdings nur Vermutungen gibt.

Zu Billungs Lebzeiten wurde der Ort mit den umliegenden Dörfern Baven, Beckedorf, Bonstorf, Oldendorf, Weesen und Müden [seit 1440 selbstständig] ein fester Pfarrbezirk. Es wurde eine neue Kirche im romanischen Stil gebaut. Wie lange diese Kirche gestanden hat, ist nicht mehr festzustellen. Wahrscheinlich fiel sie einem Brand zum Opfer und wurde um 1450 durch eine gotische Kirche ersetzt.

Aus dem Mittelalter gibt es ansonsten nur spärliche Nachrichten aus dem Leben der Gemeinde.

Reformation und Neuzeit

Während der Reformationszeit war Ernst der Bekenner, Herzog in Celle, Patron der Kirche. Er hat das lutherische Bekenntnis in Augsburg mit unterschrieben. Schon 1527 hat er sein Gebiet der Reformation erschlossen.

Pastor Osterodt, der von 1513 bis 1543 Pastor an St. Peter-Paul war, predigte nach lutherischem Verständnis. Die Gemeinde sang Luthers Lieder, und die Kinder wurden nach dem Kleinen Katechismus Luthers unterwiesen.

Aus den folgenden Jahrhunderten wird berichtet, dass die Gemeinde sehr darauf achtete, recht unterwiesen und getröstet zu werden. So war sie bereit für jene “Erweckung“ (etwa ab 1845), die Hermannsburg im weiten Umkreis bekannt machte und zur Gründung einer Mission führte.

Ludwig Harms (1808 – 1865) - Gründer der Hermannsburger Mission

1817 wurde Christian Harms aus Walsrode zum Pastor von Hermannsburg bestimmt. Er war von den Gedanken der Aufklärung berührt, aber kein typischer Verfechter dieser Bewegung. Harms brachte seinen damals neunjährigen Sohn Ludwig (* 5. Mai 1808) mit. Dessen Bruder Theodor (+1885) wurde 1818 in Hermannsburg geboren. Beide Brüder studierten Theologie und mussten sich mit den Gedanken der Aufklärung auseinandersetzen. Ludwig hat es sich nicht leicht gemacht, aber am Ende dieses geistigen Ringens stand für ihn die Gewissheit fest, die er im Johannesevangelium (Joh. 17, 3) fand: „Das ist das wahrhaftige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.“

Von dieser Gewissheit war fortan sein Leben geprägt. Nach dem Studium war Ludwig Harms zehn Jahre als Hauslehrer tätig. In Lauenburg kam er mit anderen Christen zusammen, die sich gleichfalls als „Erweckte“ bezeichneten. Sie gründeten einen Missionsverein. Bald war Ludwig einer der eifrigsten unter ihnen. Am liebsten wäre er selbst Missionar geworden, aber seit einem winterlichen Unglücksfall - er brach im Eis ein - war er ein kranker Mann. Ludwig Harms blieb also im Lande, wurde Gehilfe seines alternden Vaters und nach dessen Tod 1849 sein Nachfolger in Hermannsburg.

Mit der Hilfe seiner erweckten  und opferwilligen Gemeinde richtete Ludwig Harms schon am 12. Oktober 1849 ein Seminar für die Ausbildung von Missionaren ein. Sein Bruder Theodor unterrichtete dort die Kandidaten über eine Zeit von je fünf Jahren hinweg. Nach Ludwigs Tod am 14. November 1865 wurde Theodor Pastor der Gemeinde und Vorsteher der Mission.

Ludwig Harms wohnte im Pfarrhaus Billingstraße 17 (schräg gegenüber der Kirche), das 1984 zu einem Haus für die Gemeindearbeit umgebaut wurde. Diesem Haus gegenüber befand sich die alte Pfarrscheune, seit 1968 gleichfalls ein Haus für Gemeindeaktivitäten (Plathnerhaus).

Theodor Harms und die Separation

1866 wurde das Königreich Hannover eine preußische Provinz. Ebenso wie die beginnende Industrialisierung mit ihren gesellschaftlichen Veränderungen erfüllte diese neue Entwicklung Theodor Harms mit großer Sorge. Er sah darin nicht zuletzt eine Gefährdung der Hannoverschen lutherischen Kirche. Denn es schien eine Zeit lang so, dass diese in den unierten Kirchenverband der Preußen integriert werden sollte.

Als nun 1876 der damalige Reichskanzler von Bismarck die Standesämter einrichtete, die vor der kirchlichen Segnung der Ehe eine bürgerliche Eheschließung verlangten, weigerte sich Theodor Harms, sich diesem Verfahren zu unterwerfen. Aus Gewissensgründen lehnte er es ab, die von der Landeskirche beschlossene neue Trauformel anzuwenden. Es kam zu einem Streit, an dessen Ende er abgesetzt wurde. Daraufhin traten etwa zwei Drittel der Gemeinde aus der Landeskirche aus und gründeten am 13. Februar 1878 die lutherische Kreuzgemeinde. Bis heute sind in Hermannsburg die Folgen der damaligen Trennung in Gestalt der beiden Kreuzgemeinden (Große und Kleine Kreuzgemeinde), heute unter dem Dach der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) verbunden, wahrzunehmen.

Die weitere Entwicklung bis heute

Nach der Absetzung von Theodor Harms als Pastor der landeskirchlichen Gemeinde wurde Friedrich Plathner (+ 1917) Pastor der St. Peter-Paul Gemeinde. Nach ihm ist das ältere Gemeindehaus in der Billingstraße „Plathnerhaus“ benannt.

Die Gemeinde wuchs nach dem Aderlass von 1878 durch Geburten und Zuzug, besonders nach 1945, auf knapp 5.000 Gemeindeglieder. Im Jahr 1960 konnte deshalb eine zweite Pfarrstelle errichtet werden. Das zweite Pfarrhaus, das damals erworben wurde, steht direkt neben der Kirche.

Heute ist die Zahl der Mitglieder auf ca. 4.200 Mitglieder zurückgegangen und infolge dessen musste leider die zweite Pfarrstelle auf eine halbe reduziert werden.

Da nicht nur die Zahl der Gemeindemitglieder, sondern auch die landeskirchlichen Zuschüsse zurückgegangen sind, hat der Kirchenvorstand im Jahre 2007 die St. Peter-Paul-Stiftung gegründet, deren Zweck eine eigenständige finanzielle Förderung des Gemeindelebens ist. Die Stiftung soll einen nachhaltigen Beitrag zur Zukunftssicherung der St. Peter-Paul-Geminde leisten.

Die St. Peter-Paul Gemeinde und die Hermannsburger Mission

Durch die lebendige Verbindung zur Hermannsburger Mission (heute: Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen/ELM) hat die Gemeinde immer eine Öffnung zur Welt hin erfahren. Missionare, die aus ihrer Arbeit berichten, Gäste aus Partnerkirchen in Übersee und die Bildungseinrichtungen (z.B. das Evangelische Bildungszentrum / Heimvolkhochschule Hermannburg, das Ludwig-Harms-Haus oder die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg), die in Folge der Mission am Ort entstanden, sorgen dafür, dass Kirche hier als Teil der weltweiten Kirche erlebt und verstanden wird.